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BLOGBEITRAG

Spreewald, Meer und ganz viel Langsamkeit.

Aktualisiert: März 21


Text aus dem Sommer 2020.

Mein Motto, was ich mir zum Jahreswechsel Zweitausendzwanzig überlegt hatte – Weniger ist mehr – traf dann doch mit voller Wucht ein. Ich hatte mir vorgenommen, weniger zu konsumieren, weniger unnötige Dinge zu tun, weniger Verpackungsmüll zu generieren und viele andere nützliche Ideen. Mit dem Konsumverzicht kam ich anfangs gut zurecht, im März waren dann sowieso viele Möglichkeiten einfach gecuttet, so daß mich nichts in Versuchung führen konnte. Mit dem Siegeszug von Corona und dem Voranschreiten des Lockdowns wurde ich krank, und erst nach einem Monat - nach dem WiederÖffnen alles öffentlichen Lebens - wusste ich, was ich habe. Das bedeutete in dieser Zeit viel Verzicht auf geliebte Aktivitäten und ich hing eine Karte an meinen Spiegel mit dem Slogan:

„GIB NIE ETWAS AUF, AN DASS DU JEDEN TAG DENKEN MUSST.„

Weniger ist mehr, bedeutete auf einmal so viel mehr. Konzentration auf die wichtigsten Menschen und Dinge, weniger Schnelligkeit, mehr Langsamkeit. Weniger funktionieren, mehr hinterfragen. Aber auch weniger Bewegung, dafür mehr Kranksein. Bei einem stationären Aufenthalt für eine Untersuchung sah ich, wie viel schlimmer es allerdings noch gehen kann. Mit der lang ersehnten Diagnose und der passenden Medikation änderte sich schlagartig mein Wohlbefinden und all die Dinge, die ich liebe, rückten wieder in greifbare Nähe. Und wir fuhren in den Urlaub.

Spreewald

Mehrfach hörten wir von vorbeifahrenden Spreewaldkähnen den Tipp des Fährmannes, in Bezug auf die Tiefe der Fliese: „Keine Angst liebe Gäste, wenn wir umkippen sollten, einfach wieder aufstehen und weiterlaufen.“ Erleichtertes Lachen der Gäste. Erleichtert war ich auch, als mein Mann ob meines Konditionsstandes – gleich Null – vorschlug, ein E-Bike für mich auszuleihen. Das hieß, ich konnte evtl. einmal mithalten mit dem Tempo meiner Jungs. Der Spreewald ist ein wunderschönes Fleckchen Deutschlands und da war noch nie da waren, konnten wir alle Dinge das erste Mal genießen. Das erste Mal ist doch immer am schönsten, interessantesten, am allerbesten 😉 Der Zufall wollte es, dass wir genau in dem Eck von Burg eine Ferienwohnung hatten, wo es eine gefilmte Fährstation aus der Sendung Wunderschön gab.

https://www.ardmediathek.de/wdr/video/wunderschoen/der-spreewald-eine-reise-durch-verwunschene-wasserwelten/wdr-fernsehen/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLTJiYTZiMmQ5LWEyZTYtNGFiNS1hYjZjLWY1YTdlOWVjMmNmZA/

Viel Zeit für gemütliches Sitzen, gucken, Gurken in allen Variationen probieren, wenig Leute, viel Natur und schöne Sonnenuntergänge. Langsamkeit. Relax. Ein Ausflug mit dem Rad zum Storchendorf Dissen, vorbei an der Spree, an seinen Ufern mit weiten Wiesen, Stille und manchmal ein paar Störche auf Futtersuche. Genussmomente für Augen, Ohren und Seele. Auch bei unserer eigenen Paddeltour durch die Burger Spreewaldfliese. Teichrosen, Libellen, ein bellender Schafshütehund und gutgelaunte wenige andere Paddler waren unsere Begegnungen und das reichte auch, zumindest für mich persönlich war es genau das Wenige, was ich brauchte.


Ach so, ich erwähne gar keine Mücken. Nein, die waren tatsächlich kein Thema. Bei unserer letzten Kahntour, im Mondschein und gut mit Antimückenspray eingenebelt, erfuhren wir, dass es mit dem wenigen Überfluten der Wiesen rund um die Fliese zusammenhängt. Der trockene Sommer. Wenig Feuchtigkeit, weniger Mücken. Dieses weniger nehmen wir gerne so an 🙂.

Meer.

Weniger ist mehr, trifft das auch auf Freunde zu? Haben wir mehr davon, wenn wir weniger haben?

„FREUNDE SIND WIE STERNE. DU KANNST SIE NICHT IMMER SEHEN, ABER DU WEISST, SIE SIND IMMER FÜR DICH DA.“

Meist merkt man gerade in schwierigen Lebensphasen, wie wertvoll gute Freunde sind, wenn man eine Freundin hat, die positiv einwirkt und ehrlich ist. In unserem gemeinsamen Ostseeörtchen Zingst haben wir mit unseren Freunden eine gute Woche verbracht. Nicht immer alle zusammen(schon gar nicht unsere großen Jungs mit ganz anderen Urlaubsvorlieben), aber abends gemeinsam. Es ist der Ort, wo unsere eben genannten großen Jungs ihre ersten Urlaube mit uns als junge Eltern verbracht haben. Ein bisschen Wehmut, bei dem Gedanken, dass es wohl der letzte Eltern – Kind – Urlaub sein wird.

Meine Freundin Kathleen fragt mich immer wieder, wie es mir geht, so richtig gut dann doch noch nicht und wir nehmen uns einen Tag nur für uns, das schönste Cafè im Ort, verbringen dort nahezu drei Stunden und schlendern durch kleine besondere Läden und lassen uns ein wenig inspirieren zum Kauf von kleinen Mitbringseln. Alle zusammen fahren wir mit den Rädern ans Ende der Halbinsel, meine Fotostopps fallen nicht weiter ins Gewicht, denn mit dem geliehenen E-Bike kann ich schon wie im Spreewald mühelos wieder aufholen. Das heißt, kaum Sprüche meiner vor allen Dingen männlichen Mitfahrer auf ihren Normalo Rädern. 😅😎




Wieder zurück zum Meer. Allabendlich das natürliche Schauspiel „Der Sonnenuntergang“. Vor ein paar Jahren habe ich das tatsächlich eher als kitschig abgetan und alle ein bisschen belächelt, die die untergehende Sonne so „angehimmelt“ haben. Irgendwann hat sich das bei mir gewandelt und nun finde auch ich die Sunsets einfach wunderschön und teile gern Fotos davon. Während sie hier jeden Abend langsam ins Meer fällt, verändert sich die Stimmung und die Schatten werden länger und länger, bis sie ganz verschwinden. Der Urlaub tat gut und mit dem Ende der Tage am Meer verschwindet auch das Kranksein immer ein wenig mehr.


Kathrin Wichmann-Hesse

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